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Nachruf

Altabt P. Thomas Handgrätinger OPraem verstorben

28.07.2026

Der langjährige Abt der Prämonstratenserklöster in Windberg und Roggenburg und ehemalige Generalabt des weltweiten Prämonstratenserordens P. Thomas Handgrätinger ist am Freitag, 24. Juli im Alter von 83 Jahren verstorben. Er wurde am 4. März 1943 in Ulm geboren, trat am 8. September 1963 in das Kloster Windberg ein und wurde am 29. Juni 1969 zum Priester geweiht. Bischof Bertram würdigt den Geistlichen, der 1982 das Kloster Roggenburg im Bistum Augsburg wiederbelebte, als gottverbundenen und menschennahen Ordensmann.

„Die Nachricht vom Tod von Abt Thomas Handgrätinger erfüllt mich mit Schmerz und Trauer. Seit vielen Jahren sind wir einander sehr verbunden. Was ich an Abt Thomas besonders schätzen gelernt habe, ist, dass er ein gottverbundener und menschennaher Ordensmann war“, erinnert sich Bischof Bertram in seiner Würdigung. „Immer wieder ging es ihm darum, auch die Zeichen der Zeit zu lesen und jeweils für die Situationen zu interpretieren. Ein besonderes Herzensanliegen war ihm die Jugendarbeit. Dort hat er sich ganz besonders eingesetzt, auch zu der Zeit, als er Generalabt in Rom war.“

„Viele Menschen in der Region erinnern sich mit großer Freude an die zahlreichen Begegnungen mit P. Thomas. Als Festprediger, Firmspender oder bei Veranstaltungen des Klosters war P. Thomas Handgrätinger, gebürtiger Ulmer, über Jahrzehnte in der Region präsent“, betont auch der Prior des Klosters Roggenburg P. Stephan Kling in seiner Würdigung des verstorbenen Altabts, der 1982 in den Gebäuden der ehemaligen Reichsabtei Roggenburg einen Tochterkonvent ansiedeln und aufbauen konnte. „In enger Abstimmung mit dem früheren Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel konnte die kleine Gemeinschaft der Prämonstratenser gute Fundamente für die Entwicklung das Klosterstandortes Roggenburg legen: weltoffene Seelsorge, innovative Trägerschaft als Zusammenschluss von Kommunen und Kloster, zeitgemäße Bildungsinhalte und große Investitionen in Gebäude und Arbeitsplätze. P. Thomas verkörperte das Leitbild von prämonstratensischer Freundschaft und Kooperationsbereitschaft und steckte andere mit diesen Leitideen an. Bis zu seinem Tod nahm er rege an der Entwicklung des Klosters Roggenburg Anteil.“

Religionslehrer und Schulseelsorger

Sieger Anton Handgrätinger, geboren am 4. März 1943 in Ulm, trat nach seiner Gymnasialzeit bei den Benediktinern in Rohr und den Jesuiten in Nürnberg am 8. September 1963 in die Prämonstratenser-Abtei Windberg ein und erhielt den Klosternamen Thomas (von Aquin). Seine Profess auf Zeit legte er am 8. September 1965 ab. Das theologische Studium absolvierte er von 1965 bis 1969 in Innsbruck; am 29. Juni 1969 empfing er im Regensburger Dom durch Bischof Rudolf Graber die Priesterweihe. Bereits früh entwickelte er eine besondere Freude an der Schulseelsorge und der Jugendbildungsarbeit.

So war P. Thomas Religionslehrer und zugleich an der Fortbildung der Religionslehrer im Bistum Regensburg beteiligt. 1971 bis 1993 war er Bildungsreferent und Leiter der Jugendbildungsstätte Windberg – eine Aufgabe, die ihm sehr am Herzen lag. Dabei prägte er das Haus maßgeblich durch lebensnahe Kurse zu verschiedensten religiösen und gesellschaftlichen Themen. Zusätzlich setzte er sein Charisma in der Jugendarbeit des Landkreises und des Bistums ein. Seine lebendige Art bleibt vielen Zeitgenossen in Erinnerung. Seine enge Verbundenheit zu früheren Weggefährten zeigte sich besonders in der engen Kontaktpflege, selbst im fortgeschrittenen Alter.

1976 wurde P. Thomas vom Windberger Konvent zum „Prior de regimine“ gewählt und 1994 zum 46. Abt von Windberg. Die Abtsbenediktion durch Bischof Manfred Müller fand am 31. Mai in der Pfarr- und Klosterkirche Windberg statt. Als Abt setzte er sich für die Belange des Klosters und seiner Gemeinschaft mit Umsicht und Weitblick ein. Ein markantes Kapitel seiner Amtszeit war die Wiederbesiedlung der ehemaligen Reichsabtei Roggenburg im Jahr 1982, das 1992 zum abhängigen Priorat Windbergs erhoben wurde.

Seit 1988 bekleidete P. Thomas das Amt des 1. Definitors, fungierte als Stellvertreter des Generalabtes, und ab 1993 war er Novizen- und Juniorenmeister in Windberg. Zudem übernahm er ab dem 1. Dezember 2000 die Administration der Oberpfälzer Prämonstratenser-Abtei Speinshart. 2003 wurde er zum 64. Generalabt des Prämonstratenserordens gewählt. Damit verließ er nach vier Jahrzehnten Klosterleben im Bayerischen Wald die gewohnte Umgebung und verlegte seinen Lebensmittelpunkt in die Ewige Stadt.

Von Rom aus weltweit tätig

Auch nach seinem Umzug nach Rom gewann P. Thomas rasch die Herzen der Menschen durch seine offene Art. Als Generalabt zeigte P. Thomas trotz seiner verantwortungsvollen Aufgabe eine Offenheit und Einfachheit in der Begegnung mit den Schwestern, Brüdern und Gästen aus aller Welt. Als Generalabt unternahm er zahlreiche Reisen zu allen Häusern des Ordens weltweit. Es war ihm besonders wichtig, das Band der Einheit zwischen den Prämonstratenserklöstern zu knüpfen. P. Thomas war immer bemüht um eine authentische Lebensführung und blieb doch bisweilen hinter diesem Anspruch zurück und hat auch Entscheidungen in seinem Leben getroffen, die heute sicher anders getroffen werden müssten. Seit 2018 verbrachte er seinen “Ruhestand“ in seinem Windberger Heimatkloster. Sehr bescheiden brachte er sich in die Gemeinschaft von Windberg ein. Thomas war ein sehr belesener, vielseitig interessierter Mitbruder, der mit seiner Spiritualität viele Menschen begeistern konnte.

P. Thomas begründete auch das Kloster Roggenburg im Bistum Augsburg neu (Foto: Matthias Süßen / Wikimedia Commons)

P. Thomas begründete auch das Kloster Roggenburg im Bistum Augsburg neu (Foto: Matthias Süßen / Wikimedia Commons)

P. Thomas wurde regelmäßig zu Festpredigten und Exerzitien eingeladen und war Verfasser zahlreicher Artikel und Bücher zur Spiritualität und Geschichte des Ordens sowie seiner Heiligen. Darüber hinaus koordinierte und begleitete er über Jahre die AG Praemonstratensia, eine deutschsprachige Forschergruppe, die sich mit der Geschichte des Ordens beschäftigt.

Seine Spiritualität war stark von der Regel des Hl. Augustinus und dem Charisma des Hl. Norbert geprägt: Das gemeinschaftliche Leben, das Gebet, die Feier der Eucharistie und der Dienst am Menschen standen für ihn im Mittelpunkt. Seine Predigten waren kraftvoll. Doch betonte er wiederholt, dass der christliche Glaube sich nicht nur in Worten, sondern vor allem in einer glaubwürdigen Lebensweise zeigen müsse. Seine Treue zum Chorgebet war ein Vorbild für die Ordensgemeinschaften in Windberg und Roggenburg, ja auf der ganzen Welt.

Besonders geschätzt wurde an P. Thomas seine menschliche Nähe: Er war ein offener und geduldiger Zuhörer, was vielen Menschen Mut machte. Seine Bescheidenheit und Herzlichkeit prägten seinen Umgang mit den vielen Gästen, die unsere Gemeinschaft besuchten. Die Zuneigung zum Menschen war ihm wichtig bis zum Ende seines Lebens.

Die letzten Jahre

Die späte Lebensphase von P. Thomas war von einer Krebserkrankung geprägt. Als das Leben immer schwerer wurde, erfuhr er die Unterstützung durch die mobile Krankenstation, den Palliativdienst, Subprior Marcus und Frater Korbinian. P. Thomas war immer interessiert an einem guten Gespräch, verlor nie das Interesse an seinem Orden und wollte gut darüber informiert sein, was in der Welt geschieht.

Zu seinen Auszeichnungen gehören die Medaille „Pro meritis scientiae et litterarum“ (1993) und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (2004), außerdem wurde er 2003 Ehrenbürger der Gemeinde Windberg. P. Thomas war sicher ein Brückenbauer zwischen Kirche und Welt, zwischen Tradition und Gegenwart sowie zwischen unterschiedlichen Kulturen. Sein äbtliches Motto „In manus tuas“ – „in deine Hände“ – war sein Programm als Ordensmann. Er wusste sich immer in Gottes Händen geborgen, und dieses Wissen gab ihm die Kraft für seine Sorge um viele Menschen. Wer sein Leben in Gottes Hände legt, kann selbst mit offenen Händen für die Menschen da sein. Wir vertrauen nun darauf, dass P. Thomas in Gottes Händen gut aufgehoben ist.

Hl. Norbert und Hl. Augustinus, bittet für ihn!

Wir empfehlen unseren verstorbenen Mitbruder der barmherzigen Liebe Gottes an bei der Aussegnung in der Marienkapelle auf dem Friedhof Windberg und dem anschließenden Abendlob in der Pfarr- und Klosterkirche am Donnerstag, 30.07.2026, um 19.00 Uhr sowie beim Requiem am Montag, 03.08.2026, um 11.00 Uhr in der Pfarr- und Klosterkirche Windberg und der anschließenden Beerdigung im Konventgrab.

Livestream-Übertragung des Requiems: www.youtube.com/@pfarreiwindberg

Anstelle von Blumen bitten wir um eine Spende an den Freundeskreis der Abtei Windberg e. V. unter dem Kennwort: „P. Thomas“ (IBAN: DE17 7425 0000 0000 0330 35).