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Diözesanmuseum St. Afra

Der Bedeutung der Farbe „Rot“ im Christentum nachspüren

16.07.2026

Im vierten Teil der Ausstellungsreihe „Farbe bekennen“ dreht sich im Diözesanmuseum St. Afra alles um die Farbe „Rot“. Unter dem Motto „Wo ist der rote Faden?“ sind Erwachsene, aber auch Kinder und Jugendliche eingeladen, den vielschichtigen Bedeutungen der Signalfarbe und ihrer christlichen Symbolik nachzuspüren. Die Sonderausstellung läuft vom 17. Juli bis 4. Oktober.

Feuer und Würde, Gewalt, Liebe und Heilung: Dies alles sind Assoziationen, die mit der Farbe Rot verbunden sind. Wie gegensätzlich sie in ihrer Bedeutung sind und welche Rolle sie in der christlichen Ikonographie spielen, zeichnet die Ausstellung anhand von Kunstwerken und Gemälden unterschiedlicher Epochen nach. Durch interaktive Mitmachstationen, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Ausstellung ziehen, ist sie auch für Kinder und Jugendliche geeignet.

Vorausgeschaltet ist der Schau eine Einführung, die sich der Gewinnung von Farbstoffen und Farbpigmenten vor ihrer synthetischen Herstellung ab Mitte des 19. Jahrhunderts widmet. So wird anhand der Färbepflanze Krapplack, dem Mineral Zinnober oder der bekannten Purpurschnecke der Unterschied von Farbmitteln anorganischen und organischen Ursprungs erklärt.    

Mit zwei Gemälden, auf denen sich unbekleidete Menschen in einem Feuer befinden, greift die Ausstellung die erste Assoziation im Hinblick auf die Farbe „Rot“ auf. Das Element Feuer spielt im Christentum auf verschiedenen Bedeutungsebenen eine Rolle. „Es lodert sowohl in Darstellungen des Fegefeuers als auch des Höllenfeuers. Doch während im Fegefeuer noch Chance auf Rettung durch Läuterung besteht, hat das Höllenfeuer vernichtende Bedeutung“, erklärte Melanie Thierbach, Kuratorin und Leiterin des Museums bei einem Rundgang vor Vertretern der Presse an diesem Donnerstag. Gleichzeitig könne das Feuer im Christentum auch positiv besetzt sein. So stünden in den Pfingstdarstellungen die Flammen über den Aposteln als Zeichen für den Heiligen Geist. Das Sprichwort „Feuer und Flamme sein“ gründe darin, so Thierbach weiter.

Wie Rot seit jeher auch als Farbe für Herrschaft und Macht, Würde und Reichtum gilt, zeigt die Schau durch ausgestellte Papstschuhe von Pius VI.. Wie in der Antike nur Herrscher Gewänder in Purpurrot hätten tragen dürfen, so habe sich auch geistliche Autorität in einer markant roten Kolorierung widergespiegelt. „Zunächst durfte nur der Papst rot tragen. Später ist dies auch auf die Kardinäle übergegangen“, betonte die Kuratorin und verwies zugleich auf den Begriff Purpurrot, der unzählige Male in der Bibel auftauche. Bereits in der griechischen Antike sei er jedoch nur als Pseudonym verwendet worden. „Die meisten Textilien wurden mit Kernes eingefärbt, nicht mit Purpur“, betonte Thierbach. 

Im christlichen Zusammenhang hänge die Farbe Rot einerseits mit dem geopferten Blut zusammen, andererseits sei sie auch Bedeutungsträger von Gewalt, Folter, Verrat und Tod. Ihre überhistorische Bedeutung wird im Museum unter anderem durch ein zeitgenössisches Kunstwerk von Künstlerin Lilian Moreno Sánchez deutlich.    

Die Liebe, die gerade im Christentum durch Gottes allumfassende Hinwendung zu den Menschen zu den zentralen Themen gehört, wird in der Schau unter anderem durch die Mutterliebe Marias zu Jesus verbildlicht. Rot sei dabei eine Farbe, die sich durch die meisten Gemälde wie ein roter Faden ziehe. Auch in der Rolle als „Schutzmantelmadonna“ sei ihr Untergewand oder Mantel in rot gefärbt, wusste die Museumsleiterin.     

Wie rote Korallen mit dem Jesuskind verbunden sind, können die Besucherinnen und Besucher im Themenbereich „Heilung“ erfahren. „Korallen wurden in der Antike als Heilmittel gegen Krankheiten eingesetzt, die mit Blut zu tun haben. Kindern wurden Korallenketten um den Hals gehängt, um sie vor Krankheiten zu schützen“, betonte Melanie Thierbach. Gemälde, auf denen das Jesuskind eine solche Kette trage, seien deshalb keine Seltenheit.   

Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche kommen bei der Ausstellung auf ihre Kosten. Schon ganz zu Beginn gilt es einen Wollknäuel aus einem Labyrinth zu manövrieren, ein liebevoll gestaltetes Mitmachheft lädt an jeder Station zum Rätseln und Entdecken ein. So können sie Farbrohstoffe erfühlen, ein Foto mit roten Schuhen machen oder Bilder malen, die in Verbindung mit der Farbe Rot stehen.  

Rahmenprogramm

Am 19. Juli bietet Museumsdirektorin Melanie Thierbach eine dialogische Führung zum Thema „Feuer und Flamme“ an. Für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren veranstalten Dr. Veronika Jung und Cornelia Stimpfle einen „Farben-Forscher“-Workshop (4. August), bei dem eigene rote Farbtöne hergestellt werden können. Am 13. September schließlich hält der Farbkenner und Hersteller historischer Farbpigmente Dr. Georg Kremer einen Vortrag zu seinem Beruf und zu den Besonderheiten der Farbe Rot.

 

Öffnungszeiten

Dienstag – Samstag: 10-17 Uhr
Sonntag und Feiertage: 12-18 Uhr

 

Kontakt
Diözesanmuseum St. Afra
Kornhausgasse 3
86152 Augsburg
Telefon: 0821 3166-8833
E-Mail: museum.st.afra@bistum-augsburg.de

 

Alle Informationen rund um die Sonderausstellung gibt es auf den Seiten des Diözesanmuseums unter www.museum-st-afra.de.