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Kirche und Gesellschaft

„Frieden in Gerechtigkeit aufbauen“

07.08.2026

Wie kann der Frieden in Europa ermöglicht und bewahrt werden – und könnte darauf aufbauend der europäische Kontinent als globale „Friedensmacht“ auftreten und wirken? Dies war das Thema eines Forums der Paneuropa-Union, das am Donnerstag unter der Schirmherrschaft von Bischof Bertram im Rahmen des Augsburger Hohen Friedensfests diese Fragen diskutierte.

In seinem Grußwort an das zahlreich im Augsburger Augustana-Saal versammelte Publikum nahm der Bischof Bezug auf Papst Johannes Paul II., der bei seinem Augsburgbesuch 1987 fragte, was geschehen müsse, „damit inmitten aller Gefahren das Reich Gottes anbricht, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens?“ Seine Antwort, dass Gottes Reich durch Gottes Geist im Innersten der Menschen beginnen und sich von dort ausbreiten solle, könne heute noch wegweisend sein, betonte der Bischof. Europa könne also nur dann zu einer Friedensmacht im christlichen Sinne werden, „wenn Menschen sich dem Geist Gottes öffnen, der Spaltungen überwinden hilft und Einheit stiften will.“

Auch im aktuellen Pontifikat Leos XIV. sei der Frieden eines der zentralen Themen der Kirche; dies werde etwa in der Enzyklika Magnifica humanitas deutlich, in der als christliche Aufgabe definiert wird, Frieden nicht nur als Abwesenheit von Konflikten zu verstehen, sondern nach einem wahrlich gerechten Frieden zu streben. „Ist nicht der unsägliche Krieg in der Ukraine ein Beispiel dafür, dass Frieden nicht bedeuten kann, sich nicht mehr zu verteidigen und dem Aggressor alles zu überlassen, so dass am Ende das Recht des Stärkeren gilt statt der Stärke des Rechts?“, fragte der Bischof in Bezug auf die Enzyklika und erinnerte abschließend an das Schreiben „Friede diesem Haus“ der deutschen Bischöfe, die vor zwei Jahren sich dieser Frage gestellt und darin betont hätten, dass ein dauerhafter Friede nur unter der Herrschaft des Rechts und im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit gedeihen könne – letztlich aber dann doch nach christlicher Überzeugung allein von Gott komme.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v.l.): Der kroatische Philosoph Prof. Dr. Pavo Barišić, der ukrainische Historiker Prof. Dr. Ihor Zhaloba, der Moderator und bayerische Landesvorsitzende der Paneuropa-Union Dr. Dirk-Hermann Voß und der Israelkorrespondent Stephan Baier.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v.l.): Der kroatische Philosoph Prof. Dr. Pavo Barišić, der ukrainische Historiker Prof. Dr. Ihor Zhaloba, der Moderator und bayerische Landesvorsitzende der Paneuropa-Union Dr. Dirk-Hermann Voß und der Israelkorrespondent Stephan Baier.

Der Augsburger Oberbürgermeister Dr. Florian Freund freute sich in seinem Grußwort über die Neuerung im Programm der Augsburger Friedenstage und stellte das seit über einem Jahrhundert währende Engagement der Paneuropa-Union für ein friedliches und vereintes Europa in den Vordergrund. Die Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion hatten alle kriegerische Auseinandersetzungen in Europa und dem Heiligen Land selber miterlebt oder sogar daran teilgenommen; in ihrem Gespräch untereinander ging es entsprechend um die Frage, was Europa aus den vergangenen und bestehenden Kriegen lernen müsse und was nötig sei, um einen dauerhaften Frieden auch für den europäischen Kontinent zu gewährleisten.

Die Paneuropa-Union wurde 1922 gegründet und ist damit die älteste noch bestehende europäische Einigungsbewegung. Sie tritt für ein wirtschaftlich geeintes, demokratisches und föderales Europa auf christlich-abendländischer Wertebasis ein. Das von ihr mitorganisierte Paneuropäische Picknick im August 1989 an der österreichisch-ungarischen Grenze gilt bis heute als zentrales Element im Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs.