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Deutsche Bischofskonferenz

Leben vom Anfang bis zum Ende: Die Frage nach dem Menschenbild

29.09.2026

Die Frage zum Schutz des menschlichen Lebens vom Anfang bis zum Ende erfährt derzeit eine lebhafte Debatte. Im Pressegespräch zum Thema „Leben vom Anfang bis zum Ende – aktuelle Fragen von der Leihmutterschaft über die Organspende bis hin zum assistierten Suizid“ wurden an diesem Dienstag auf der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe Aspekte beleuchtet, die den Lebensanfang, aber auch das Lebensende betreffen. Aktuelle Fragen zur Leihmutterschaft spielten dabei ebenso eine Rolle wie Fragen des assistierten Suizids oder die Anwendung von Künstlicher Intelligenz in der Medizin. Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger sprach dabei uber zwei "brisante medizinethische Dilemma-Situationen".

Aktuelle Fragen zur Leihmutterschaft spielten dabei ebenso eine Rolle wie Fragen des assistierten Suizids oder die Anwendung von Künstlicher Intelligenz in der Medizin. Neben Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), Vorsitzender der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz, und Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, saß auch Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger, Mitglied in der neuerrichteten Kommission gesellschaftliche und caritative Fragen und im Senat der Max-Planck-Gesellschaft auf dem Podium.

Weihbischof Losinger ging in seinem Stellungnahme auf zwei "brisante medizinethische Dilemma-Situationen" ein, die erst durch neueste innovative Technologien - Robotik und Künstliche Intelligenz - möglich geworden seien. Zunächst sprach der Weihbischof über Robotik in der Pflege und stellte die Frage "Gibt es einen Rest von Respekt vor der Würde des Menschen?", bevor er der Frage nach gentechnischer Änderung des Genoms des Menschen und dem damit verbundenen Traum des perfekten Menschen nachspürte. Bei beiden Themen nahm er Bezug auf Publikationen des Deutschen Ethikrates.

Abschließend warf er unter der Voraussetzung, dass genetische Diagnostik und Therapie die Optimierung des Menschen möglich mache, die Frage auf, wie eine Gesellschaft künftig damit umgehen soll, dass neben dem perfekten Menschen - die Frage danach, wer festlegt, was darunter zu verstehen ist, sei ebenso wenig beantwortet - immer auch der imperfekte Mensch und dessen Würde stünde.

Weihbischof Losinger spitzte dieses Dilemma auf drei lebenspraktive Themenbereiche beziehungsweise Fragestellungen zu: "Welches Menschenbild des Menschen mit Behinderung werden wir generieren, wenn wir gentechnische Methoden befürworten, bei denen die Detektion einer genetischen Deviation – de facto – ein hinreichender Grund für die Verwerfung des Lebens eines betroffenen Menschen wird, insbesondere des ungeborenen Lebens? Zweite Frage: Was verbinden wir eigentlich mit dem hehren Begriff 'Inklusion' und der Forderung der UN-Behindertenrechtskonvention, dass der Mensch mit Behinderung in die Mitte der Gesellschaft gehört? Infolge der aktuellen Debatte um die Kassenzulassung des PraenaTests zur Detektion von Trisomien und genetischen Abweichungen durch die GBA zeigte die Statistik, dass offensichtlich von 50 bis 90 Prozent der betroffenen Menschen nicht mehr das Licht der Welt erblicken. Und schließlich dritte Frage: Wir wissen aus der genetischen Forschung derzeit, dass weniger als 20 Prozent sämtlicher genetischer Defekte, die sich in der Somatik eines Menschen manifestieren, pränatal sind. Annährend 80 Prozent sind postnatal, also erst im Laufe des Lebens durch Krankheit und Unfall erworben. Damit dürfte klar sein, dass wir allesamt mit Menschen mit Behinderung im gleichen Boot sitzen und damit die Frage des Umgangs mit Menschen mit Behinderung uns direkt betrifft." Um mit der eindringlichen und existenziellen Frage zu schließen "Welche gesellschaftliche Behandlung wünschen wir für uns selbst".

Der Einsatz für den Lebensschutz – vom Anfang bis zum Ende – ist eine wesentliche Aufgabe der katholischen Kirche. Das Leben am Anfang betrifft Fragen der Lebensbegleitung werdender Mütter und die Auseinandersetzung mit der Schwangerenkonfliktberatung. Lebensfragen am Ende betreffen viele Menschen, die sich sorgen, dass sie dann nicht mehr leistungsfähig und einsam sind und nicht mehr über sich selbst bestimmen können. Hoch betagt oder schwer erkrankt, oft auch schon in jüngeren Jahren, fürchten Menschen sich vor Schmerzen und einem schwer ertragbaren Schwebezustand zwischen Leben und Tod. Sie möchten in Würde sterben können. 

  

Mehr Fotos von der Pressekonferenz und der Herbstvollversammlung gibt es in der DBK-Bilderdatenbank.

Auf der DBK-Themenseite "Leben von Anfang bis Ende" finden Sie Veröffentlichungen zu beiden Aspekten.