Lehrkräfte für Religion empfangen Missio canonica
Bischof Dr. Bertram Meier und der Bischofsvikar für Schule Weihbischof Florian Wörner haben am Freitagnachmittag 77 frisch ausgebildeten Religionslehrerinnen und -lehrern die kirchliche Unterrichtserlaubnis verliehen. Der Feier in der Ulrichsbasilika stellte auch den Abschluss des Ausbildungsweges für die künftigen Lehrpersonen dar. Bischof Bertram empfahl den Teilnehmenden, den Unterricht als Beziehungsgeschehen zu betrachten und der zunehmenden Digitalisierung mit menschlichen Stärken entgegenzutreten.
Ausgehend vom Evangelium der Speisung der 5000 betonte Bischof Dr. Bertram Meier in seiner Predigt beim Aussendungsgottesdienst, dass Jesus vom Vater gesandt geworden sei, um den Hunger zu stillen, der vom Herzen her komme. Dass er hierfür die Form der Tischgemeinschaft gewählt habe, zeige, dass die soziale und die geistliche Dimension untrennbar zusammengehören würden. Auch im Kontext der Schule müsse man fragen, wodurch der Mensch satt werde. Bischof Bertram: „Reicht es in Zukunft nicht, als Lehrkraft geeignete „Prompts“ in KI-gesteuerte Programme einzugeben, und der Unterricht für den kommenden Tag steht?“
KI-Enzyklika als Richtschnur für den Schuldienst
Papst Leo XIV. habe in seiner Enzyklika Magnifica Humanitas folgendes hervorgehoben: „KIs machen keine Erfahrungen, besitzen keinen Leib, empfinden weder Freude noch Schmerz, reifen nicht in Beziehungen, wissen nicht von ihrem Inneren her, was Liebe, Arbeit, Freundschaft und Verantwortung bedeutet. Sie haben auch kein moralisches Gewissen“. All das mache allerdings den Menschen aus, „all das macht Sie aus“, so der Bischof. Gerade der Religionsunterricht gebe Raum für Qualitäten, in denen die KI dem Menschen nicht das Wasser reichen könnte. Die künftigen Religionslehrerinnen und -lehrer seien eben nicht nur Lehrkörper, vielmehr stelle jeder und jede Einzelne eine ganz individuelle „Lehrerpersönlichkeit“ dar.
Die Missio canonica:
- Lehrerinnen und Lehrer benötigen zur Erteilung von Religionsunterricht eine kirchliche Unterrichtserlaubnis.
- Diese erteilt der Diözesanbischof im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes.
- Die Lehrkräfte versprechen, den Unterricht in Übereinstimmung mit der kirchlichen Lehre zu erteilen und selbst ein Zeugnis christlichen Lebens zu geben.
- Sie betont den besonderen Charakter des Religionsunterrichts als gemeinsame Angelegenheit von Staat und Kirche.
Ein bischöflicher Tipp für den Alltag an der Schule
Die zunehmende Digitalisierung an Schulen stelle eine Herausforderung dar; Ablenkung sei keine Versuchung mehr, sondern der Normalzustand. „Von Jesus können wir lernen, fokussiert zu sein“, so der Bischof. Obwohl er sich habe zurückziehen wollen, hätte er allen 5000 Menschen Fürsorge zukommen lassen. Deshalb die Aufforderung: „Schenken Sie den Kindern und Jugendlichen, die sie in den einzelnen Stunden vor sich haben, ihre ganze Aufmerksamkeit. Das ist anspruchsvoll, denn auch die Bedürfnisse, die in einem Raum mit 20 bis 30 jungen Menschen gleichzeitig auftreten können, bringen uns an unsere Grenzen. An manchen Tagen werden Sie denken: Wie soll ich da allen gerecht werden?“ Auch die Jünger hätten bei der Speisung der 5000 auf ihre begrenzten Mittel und Möglichkeiten hingewiesen. Sie seien aber von Jesus aufgefordert worden, „das zu geben, was sie hatten, nicht mehr und nicht weniger“. Die Brotvermehrung sei also Teamwork der Jünger untereinander und mit Gott gewesen. Den künftigen Religionslehrerinnen und -lehrern dankte er von Herzen und riet ihnen zum Abschluss: „Halten Sie sich nicht damit auf, was Sie nicht haben; geben Sie das, was Ihnen zur Verfügung steht! Das genügt. Wenn dieses Tun dann noch von Gottvertrauen getragen ist, sind Sie auf einem guten Weg, um Einsatzbereitschaft und Gelassenheit in eine gesunde Balance bringen.“
Feier ist eingebunden in einen Besinnungstag
Der Tag selbst hatte für die künftigen Religionslehrerinnen und -lehrer mit einem Besinnungstag begonnen, der von den Mitarbeitenden der Abteilung für Schule und Religionsunterricht gestaltet worden war. Er bot Raum für geistliches Innehalten, persönliche Reflexion, Kreativität und Austausch. In verschiedenen Workshops setzten sich die Teilnehmenden mit zentralen Themen ihres zukünftigen Berufs auseinander und konnten zugleich in spirituelle Impulsen Kraft für ihren weiteren Weg schöpfen.