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Tag der geschwisterlichen Seelsorge

Pastorale Arbeit in säkularer Welt: Vortrag und Impulse

06.07.2026

In einer Zeit, in der vielen Menschen religiöse Themen zunehmen gleichgültig sind, wird auch die Arbeit von Priestern, Diakonen und pastoral Mitarbeitenden vor neue Herausforderungen gestellt. Wie dieser Situation zukunftsweisend begegnet werden kann, darüber machten sich an diesem Montag über 60 Seelsorgerinnen und Seelsorger Gedanken. Rahmen bildete der „Tag der geschwisterlichen Seelsorge“ in der Ulrichswoche, der mit einem Festgottesdienst mit Bischof Bertram begann.

Wie in einem Umfeld, das zunehmend nichtreligiös und losgelöst von der Kirche lebt, die christliche Botschaft zu den Menschen gebracht werden kann, darüber sprach Prof. Dr. Regina Polak, Professorin für Praktische Theologie und Interreligiösen Dialog an der Universität Wien im Haus Sankt Ulrich. Sie stellte dabei die kirchliche Krise in einen gesamtgesellschaftlichen Krisenkontext und definierte sie als Abrücken von als normal empfundenen Selbstverständlichkeiten. „Krisen sind Lernorte und eröffnen neue Möglichkeiten der Sinnstiftung. Sie zwingen zur Neuorientierung“, gab Polak mit einem Blick auf die biblische Offenbarungsgeschichte zu bedenken: „Krisen werden in der Bibel nicht nur erlitten, sondern sind Geburts- und Lernorte neuer Zukunft.“

Für Christen und in der Pastoral Engagierte sei hierbei zunächst wichtig, die eigene kirchliche Ausgangslage zu reflektieren und über eigene Gottesbilder nachzudenken, ermunterte sie die Zuhörerinnen und Zuhörer zu einer „Metanoia nach innen“. In einem geistlichen Prozess müsse klar werden, wer wir als Kirche sind und wie wir uns verändern müssten, so Polak.

In einem zweiten Schritt sei es wichtig, unseren Offenbarungsglauben und das eigene Gottesverständnis zu erklären: „Wir müssen Übersetzungshilfe leisten: Auf welches Ereignis, auf welche Erfahrung ist Christus die Antwort.“ Hierfür brauche es wissenschaftlich fundierte Katechetik, betonte die Wissenschaftlerin.

Als Fazit ihrer Ausführungen lud sie die Teilnehmenden dazu ein, Pastoral nicht nur anzupassen, sondern den Mut zu haben, sie neu zu denken: theologisch fundiert und im Licht der zeitgenössischen Entwicklungen. Dazu hatten die Seelsorgerinnen und Seelsorger nach dem Vortrag Gelegenheit. In sieben Workshops konnten sie sich über positive Erfahrungen austauschen, diskutieren und über den "eigenen Gartenzaun" hinausschauen.     

Auch in seiner Predigt zu Beginn des Studientags griff Bischof Dr. Bertram Meier das Thema auf und riet den Seelsorgerinnen und Seelsorgern, sich in der Weitergabe des Glaubens „Verbündete“ zu suchen. „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“, zitierte er die Stelle aus dem gehörten Markusevangelium und deutete sie als Aufruf zu Vernunft und Konzilianz unter der Voraussetzung, miteinander ins Gespräch zu gehen und die Position des anderen kennenlernen zu wollen. Auch im synodalen Prozess sei dies von entscheidender Bedeutung: „Sich auf diesen Weg einzulassen, heißt: sich von liebgewordenen Vorannahmen, von schon fast unbewussten Freund-Feind-Klischees zu verabschieden und sich buchstäblich neu in die Gegenwart Gottes zu stellen, das Hier und Heute als das von ihm Gegebene anzunehmen und zu gestalten“, so Bischof Bertram.

Dies bedeute, sich im Leben vom Heiligen Geist leiten zu lassen, wie es die Jünger nach der Begegnung mit Jesus getan hätten, lud er zu einem Handeln im Einklang mit dem Willen Gottes ein. Gleichzeitig brachte er die Seelsorgerinnen und Seelsorger zum Nachdenken: „Schaffen wir heute überhaupt noch Raum dafür, dass uns Gottes Ruf erreicht, dass er in unserem Herzen hörbar wird?“

Menschen, die dem Ruf Gottes folgen wollten, würden bewusst die Stille und das Alleinsein suchen, um der Oberflächlichkeit und Ablenkung zu entkommen. „Denn nur so lässt sich unsere Wahrnehmung schärfen und wir lernen die Welt um uns herum mit anderen Augen zu sehen“, betonte der Bischof und erinnerte an Begegnungen im Zug oder Wartezimmer, die oft tiefsinnige Gespräche ermöglichten.  

„Auch wenn es der Umstieg auf digitale Endgeräte und der Stöpsel im Ohr heute schwieriger machen, Blickkontakt mit Mitreisenden aufzunehmen, ist es nach wie vor eine gute und lohnende Übung, ein Auge für den Menschen neben, vor und hinter mir zu haben“, sagte Bischof Bertram und führte die Praxis von Straßenexerzitien als Beispiel an. 

Vorbereitet wurde der Tag von der Abteilung Fortbildung in Zusammenarbeit mit dem Priester- und Diakonenverein für die Diözese Augsburg und Vertreterinnen und Vertreter der pastoralen Berufsgruppen.