Menü
Ulrichswoche

Reliquienschrein des hl. Ulrich feierlich erhoben

03.07.2026

Zu Beginn der wichtigsten Wallfahrtswoche im Bistum Augsburg wurde am Freitagabend auf gewohnte Weise der Ulrichsschrein aus der Krypta erhoben und zur Verehrung in die Basilika gebracht. Bischof Dr. Bertram Meier, der die Pontifikalvesper zusammen mit dem Domkapitel, zahlreichen Geistlichen, Ordensmitgliedern und Gläubigen feierte, erinnerte in seiner Ansprache an seinen eigenen Primizspruch: „Ihr seid ein Brief Christi“ (2 Kor 3,3).

Der heilige Bischof Ulrich wurde nach seinem Tod in der damaligen Klosterkirche St. Afra beigesetzt. Schon bald setzte die Verehrung seiner Grabstätte ein, 993 wurde er schließlich formell heiliggesprochen. Seine Reliquien wurden mehrfach erhoben und umgebettet; zeitweise galten sie sogar als verschollen. Der heutige Schrein, der im Mittelpunkt der Ulrichswoche steht, wurde 1762 vom Bildhauer und Ornamentkünstler Placidus Verhelst geschaffen, auf den auch das Grabmal des Heiligen in der Krypta zurückgeht. Der Schrein zeigt auf der Deckplatte den heiligen Ulrich als Bischof, an den Seiten sind Szenen aus seinem Leben dargestellt: die Beerdigung 973, die Heiligsprechung 993, die Reliquienerhebung 1187 und die Übertragung in die neugestaltete Grabkapelle 1762. Die Echtheit der Gebeine wurde zuletzt 1971 wissenschaftlich bestätigt.

Der heilige Ulrich als Brief Christi

Bischof Dr. Bertram Meier ging in seiner Predigt auf seinen eigenen Primizspruch ein. Dieser stammt aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth: „Unverkennbar seid ihr ein Brief Christi, ausgefertigt durch unseren Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes.“ Noch heute empfange er als Bischof zahlreiche Briefe. Zu beachten sei immer, dass hinter jedem Brief, hinter jeder Mail und hinter jedem Vorgang ein konkreter Mensch stehe. „Ich wünsche mir von Ihnen, dass jeder und jede von uns ein Brief Christi ist“, so der Bischof. Auch der heilige Ulrich sei so ein Brief gewesen. Er sei rastlos durch sein Bistum gezogen und habe selbst in den entlegensten Winkeln das Evangelium verkündet. Und auch wer die Christinnen und Christen der heutigen Zeit treffe, solle merken, dass er oder sie eine gute Adresse in den Händen halte.

Feier der Ulrichsvesper 08 (Foto Leander Stork_pba)

Bischof Bertram verehrte den Schrein mit Weihrauch.

Abschließend zitierte er ein Gebet, das er selbst vor 40 Jahren in Vorbereitung auf seine eigene Priesterweihe formuliert hatte. Es endet mit einer Bereitschaftserklärung: „Mein Herr und mein Gott, ich will Dein Brief sein – kein trockener Geschäftsbrief, keine wohlklingenden und zugleich leeren Worte, sondern Dein Liebesbrief, der den Menschen Treue und Trost zuspricht, ein Brief, geschrieben nicht mit Tinte, sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes.“

Feier in ökumenischer Verbundenheit

Die musikalische Gestaltung wurde von einer Schola der Domsingknaben sowie durch ein Bläserensemble übernommen. Traditionell nehmen an dem Abendgebet zahlreiche Ordensleute aus dem Bistum teil. Bereits am Nachmittag hatten diese sich zu einem großen Treffen versammelt. Besonders freute sich Bischof Dr. Bertram Meier auch über die Anwesenheit eines der evangelischen Regionalbischöfe für den Kirchenkreis Schwaben-Altbayern Thomas Prieto Peral und der evangelischen Dekane Frank Kreiselmeier und Dr. Doris Sperber-Hartmann. Oberbürgermeister Dr. Florian Freund war erstmals nach seiner Wahl ebenfalls zu Gast bei der Ulrichsvesper. Begleitet wurde er von Mitgliedern der Stadtregierung und des Stadtrates.