Menü
Orden

"Viel Gutes wurde hier geleistet"

07.09.2026

Nach mehr als 100 Jahren segensreichen Wirkens der Borromäerinnen „geht ein stolzes Kapitel im Leben der Kongregation sowie der Geschichte von Altstädten zu Ende“, dankte Bischof Bertram am Sonntag den scheidenden Ordensfrauen für ihre Arbeit. Das Kloster in Altstädten bei Sonthofen wird aufgrund mangelnden Nachwuchses geschlossen und zu Seniorenwohnungen umgebaut. Auch die Hauskapelle des Konvents wurde dabei profaniert.

Ein feierlicher Kirchzug mit den Fahnenabordnungen der Vereine und Gästen aus dem kirchlichen sowie dem politischen Leben der Gemeinde hatte sich an der der Pfarrkirche St. Michael aufgestellt. Er führte Bischof Bertram und seine Begleitung zu den Klängen der Altstätter Musikkapelle zum Kloster Altstädten. 14 Vertreterinnen der Kongregation der barmherzigen Schwestern vom heiligen Karl Borromäus aus dem Mutterhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg, unter ihnen auch die Generaloberin Schwester M. Juliana, empfingen ihn an der Pforte. Nach der Begrüßung durch den Sonthofer Stadtpfarrer Prodekan Josef Kühn und der Verlesung des Dekrets geleiteten die Schwestern den Bischof in die Kapelle im Obergeschoss. Hier fand mit der Profanierung der Hauskapelle, bei der alle liturgischen Gegenstände entfernt wurden, und dem Abschiedsgebet der letzte Akt der Schließung des Klosters statt. Damit endete auch die kirchliche Widmung der Kapelle.

Der Weg vom Kloster führte den Zug über den Friedhof zu den Gräbern der verstorbenen Schwestern, wo für sie gebetet wurde. Im Anschluss wurde das feierliche Pontifikalamt als ein Fest des Abschieds und der Danksagung gefeiert, musikalisch gestaltet vom St.-Michael-Chor Altstädten unter der Leitung von Martin Kondziella.

Bischof Bertram und der bischöfliche Zeremoniar Domvikar Ulrich Müller entfernen die Altartücher im Zuge der Kapellenprofanierung.

Bischof Bertram und der bischöfliche Zeremoniar Domvikar Ulrich Müller entfernen die Altartücher im Zuge der Kapellenprofanierung.

„Viel Gutes wurde hier geleistet. Alle werden die Schwestern und ihr Charisma sicherlich vermissen. Denn das christliche Diptychon von Diakonie und Spiritualität wirkt heilend“, betonte Bischof Bertram. Die verständliche Trauer solle jedoch nicht gänzlich überschattet werden. „Ein Schwesternkonvent wird aufgelöst, aber die Botschaft des Evangeliums, die die Ordensfrauen gewissenhaft getragen haben, lebt weiter“, so der Bischof. Ausgehend von den Lesung führte er drei Gedanken über wichtige Begriffe aus. Verantwortung, Liebe und Gemeinschaft seien mit den Gaben verbunden, mit denen die Borromäerinnen diesen Ort beschenkt hätten. Die Schwestern hätten durch ihre Tätigkeit in Altstädten Zeugnis vom Evangelium abgelegt. „Alle Menschen konnten schnell spüren, dass sie hier nicht nur ihre Hilfe oder Dienstleistung angeboten bekamen. Es ging um Größeres: Die sanfte, feine und gleichzeitig heilende Stimme der christlichen Tradition, der Geist der Liebe, prägte den Ton“, fuhr Bischof Bertram fort.

Mit Blick auf die Borromäerinnen in Altstädten denke er daran, wie multidimensional und wie herausfordernd die karitative Liebe sei. Die Liebe trage Früchte, schenke Orientierung und weise auf die Zukunft hin. Gott sei Liebe und damit auch Gemeinschaft – um der Liebe willen sei Gott Mensch geworden. „Sichtbarer Ausdruck ist Gemeinschaft der Kirche als Leib Christi: Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (Mt 18,20), sagt Jesus“, betonte er. Christliche Gemeinschaft erlebe ihren Höhepunkt in der Feier der Eucharistie. Bei der schmerzlichen Profanierung der Hauskapelle habe er so manche wässrigen Augen bemerkt. Doch das Evangelium verstumme nicht: „Christus verlässt uns nicht – und er überrascht uns immer wieder positiv“, stellte der Bischof fest. Eucharistie heiße auf Griechisch Danksagung. Der Heutige Tag soll von Dank bestimmt sein, Dank den Schwestern für ihr Wirken, Dank allen, die ihnen behilflich waren. „Beten wir dafür, dass Altstädten die Früchte der Schwestern weiter wachsen lässt“, schloss Bischof Bertram.

Segnung der Konventsgräber am Friedhof.

Segnung der Konventsgräber am Friedhof.

Pfarrer Josef Kühn erinnerte in seiner Ansprache an die Geschichte des Klosters und seiner Schwestern. Er dankte für den großartigen Dienst und wünschte ihnen, nicht den Kopf hängen zu lassen, nicht nur auf Zahlen zu blicken, sondern auf die Fürbitte des heiligen Karl Borromäus zu schauen. Auch der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Sonthofen Florian Schwarz sprach den Schwestern seinen Dank aus. „Vergelt’s Gott für ihr Wirken, es hat Spuren hinterlassen, die bleiben werden.“ Am Ort des Klosters werden neue Wohnung entstehen, die Menschen Heimat bieten würden. „Wir werden die Geschichte in Ehren halten“, versprach Schwarz. Der Altstätter Pfarrgemeinderatsvorsitzende Johannes Schmölz blickte mit sehr persönlichen, launigen Worten zurück. „Es wird schwieriger, einen guten Geist zu finden“, bemerkte er voller Anerkennung.

Abschließend sprach die Generaloberin Schwester M. Juliana, die einen historischen Rückblick zog. Vor 105 Jahren waren nach der Grundstücks-Schenkung von Landwirt Sebastian Meßmang die ersten drei Schwestern zur ambulanten Krankenpflege, zum Schulunterricht und zur Führung eines Kindergartens gekommen. 1924 sei das Kloster eingeweiht worden, das später zur Ausbildung für die Orientmission des Konvents diente. Es wurde nach Kriegsende zum zeitweiligen Zufluchtsort für 400 heimatvertriebene Borromäerinnen. Das Kloster war Provinzhaus und Schwesternaltenheim bis 2021. Ab den 1950er Jahren, als vor Ort 70 Schwestern lebten, war sein Gästehaus beliebter Erholungsort für Senioren, Ordensleute, Priester und einige Bischöfe. Nach dem starken Rückgang von Ordensberufungen und großen Umbrüchen im Gäste– und Tourismusbereich sei leider die Zeit gekommen, dass die Schwestern Edith, Julia und Nicoletta, Altstädten verlassen. Mit einem tiefen Dank an die Schwestern, Seelsorger und Unterstützer sagte sie zum Abschied „Gott mit dir, Altstädten. Vergelt’s Gott“.