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75 Jahre Landeskomitee der Katholiken in Bayern

An das große „Wir“ der Kirche appelliert

25.04.2026

Bei ihrer diesjährigen Frühjahrsvollversammlung hat das Landeskomitee der Katholiken in Bayern in den vergangenen beiden Tagen (24./25. April) in Augsburg auf sein 75-jähriges Bestehen zurückgeblickt. Die Delegierten setzten sich zudem mit der Frage „Wie geht Kirche im säkularen Staat?“ auseinander. In seiner Predigt in der Kapelle des Hauses Sankt Ulrich stellte Bischof Dr. Bertram Meier am Samstagmorgen das „Wir“-Gefühl der Kirche in den Mittelpunkt und bezeichnete Klerikalismus als „Armutszeugnis“.

Das „Wir alle“ in der Kirche bedeute für Bischof Bertram ein unabdingbares Miteinander von Klerikern und Laien, Männern und Frauen, Jungen und Älteren, die gemeinsam für eine wichtige Sache arbeiteten. Klerikalismus finde nicht nur keine Grundlage in der Ekklesiologie des Zweiten Vatikanischen Konzils, sondern biete auch keine zukunftsfähige Vision für die Kirche. „Ich bin dankbar, dass wir die Synodalität in der Kirche neu entdecken und immer konsequenter praktizieren. In diese Richtung müssen wir weitermachen!“, betonte er vor den Mitgliedern des Landeskomitees.

Der Bischof ließ keine Zweifel daran aufkommen, dass auch nicht ordinierte Gläubige Zeugnis von der Osterbotschaft ablegen und die Kirche mitgestalten sollten. „Was für eine Kirche würde den Laien die Auferstehungsfreude und den dazugehörigen Auftrag nehmen wollen? Unsere Kirche könnte nicht existieren ohne das Engagement der Nichtordinierten. Und ohne das Landeskomitee und sein ganzes Netzwerk wäre die Kirche in Bayern viel ärmer. Danke, dass es Sie gibt!“

Arme als Subjekte der Glaubensverkündigung

Der Auftrag Jesu Christi sei keine Nebensächlichkeit, sondern es gehe hierbei um Leben und Tod, wie der Herr es in aller Deutlichkeit selber sage. Mit seinen Verheißungen möchte er keine Ängste erzeugen, niemandem drohen, so der Bischof. „Indem er unsere Rettung verspricht, befreit uns Jesus Christus von allen Ängsten und Drohungen. Er zwingt zu nichts, er macht ein Angebot: das kostbare Geschenk des Heils. Indem wir uns an der Evangelisierung beteiligen, verleihen wir Jesus unseren Mund und unsere Hände, damit er die Einladung ausspricht und das Heilsgeschenk anbietet.“

So bezeichnete Bischof Bertram es als eine schöne Aufgabe, dabei mitwirken zu dürfen und ganz im Sinne Jesu „bis an die Ränder der Welt zu gehen“. Dies sei nicht nur geografisch zu verstehen, sondern auch auf unsere Gesellschaft bezogen. „All die Benachteiligten, Verfolgten und Diskriminierten werden eingeladen und sind oft sogar Pioniere im Glaubensleben“, verwies er auf das Apostolische Schreiben Dilexit te von Papst Leo, in dem die Armen nicht als Objekte, sondern Subjekte der Glaubensverkündigung wahrgenommen würden. „Im großen Wir der Kirche haben sie einen beson­deren Platz, und dieser muss viel sichtbarer werden – auch in ihren Gremien und Strukturen“, forderte der Bischof nachdrücklich.

Auch Kardinal Reinhard Marx würdigte anlässlich des Jubiläums die Bedeutung der Laienvertretung für eine synodale Kirche: „Wir sind in Deutschland und auch in Bayern mit einer großen Tradition beschenkt, an Synodalität, an Gremienarbeit, an Räten und an gemeinsamer Verantwortung für das katholische Leben nach innen und nach außen.“ Das Landeskomitee habe synodale Prozesse nach Ansicht des Vorsitzenden der Freisinger Bischofskonferenz (FBK) schon früh auf den Weg gebracht, eingefordert und praktiziert als „eine wichtige synodale Stimme der Kirche in Bayern.“

Zum Aushängeschild der Kirche in Bayern geworden

Das Magazin des Landeskomitees mit dem Titel „Gemeinde creativ“ feiert das Gründungsjubiläum in einer Sonderausgabe, die online verfügbar ist. Im Grußwort von Kardinal Marx heißt es: „Das Landeskomitee ist ein Aushängeschild der Kirche in Bayern geworden: institutionell, personell und inhaltlich“. Der Vorsitzende der FBK blickt in seinem Beitrag auf die Geschichte der Zusammenarbeit mit der Laienvertretung auf Bayernebene zurück. Es sei dieser immer wieder gelungen, „die christliche Perspektive in Politik und Gesellschaft einzubringen“. Auf Grundlage dieser Vergangenheit sei er zuversichtlich, dass das Laienapostolat „auch in Zukunft die Kirche in Bayern weiter mitprägen“ und „die Positionen der katholischen Kirche in einer säkularer werdenden Gesellschaft vertreten“ werde. Es werde auch weiterhin „für die Kirche in Bayern ein Segen“ sein.

Die Vollversammlung begann am Freitagnachmittag im Haus Sankt Ulrich mit Eröffnungsworten des Vorsitzenden Christian Gärtner sowie einem Impuls durch den Geistlichen Beauftragten für das Landeskomitee, Pater Alfons Friedrich SDB. Im Anschluss daran folgte ein Zeitzeugengespräch mit ehemaligen Vorstandsmitgliedern und Funktionsträgerinnen und -trägern des Landeskomitees, an dem auch Bischof Bertram teilnahm. Albert Schmid, Gisela Häfele, Willi Breher, Alois Baumgartner, Walter Bayerlein, Ulrike Faust, Elke Hümmeler und der Bischof berichteten aus der Geschichte der Laienvertretung und ihrer Zeit als deren aktive Mitglieder. Peter Frey, ehemaliger Chefredakteur des ZDF, hielt die Festrede. Abends klang der Tag mit einer Kabarettaufführung der „Soafablosn“ und beim Abendessen im Haus Sankt Ulrich aus. Nach dem Gottesdienst am Samstagfrüh mit Bischof Bertram folgten der Bericht des Präsidiums unter der Leitung des Vorsitzenden Christian Gärtner mit anschließender Aussprache. Gegen Mittag endete die Vollversammlung mit dem Reisesegen.

Zur Info

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern wurde am 28. April 1951 in Regensburg als „Landesausschuß der Katholischen Aktion in Bayern“ mit Eugen Rucker als Vorsitzendem gegründet. Es ist neben dem Landeskatholikenausschuss in Niedersachsen die einzige deutsche Laienvertretung auf Länderebene. Die Umbenennung in „Landeskomitee der Katholiken“ erfolgte aufgrund der Neuordnung des Laienapostolats im Nachgang des II. Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965). Das Landeskomitee ist somit der Zusammenschluss der bayerischen Diözesanräte, katholischer Verbände und Organisationen auf Landesebene sowie engagierter Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Gemeinsam setzen sich seine Mitglieder für ein starkes und zukunftsfähiges katholisches Laienengagement in Bayern ein. Seit 2025 ist Christian Gärtner Vorsitzender des Gremiums im Freistaat.