„Der entscheidende Befreiungsschlag der Liebe Gottes“
Augsburg (pba). Das klangvolle Wort der Freiheit als Ausdruck menschlicher Würde und Alleinstellungsmerkmal unter allen Geschöpfen hat Weihbischof Florian Wörner während der Karfreitagsliturgie ins Zentrum seiner Predigt gerückt. „Es gibt keine wirkliche Freiheit ohne Verantwortung, Solidarität, ohne Beziehung, Wachsamkeit, Mut und auch Opferbereitschaft“, stellte der Weihbischof im Hohen Dom heraus und buchstabierte aus, was er unter christlicher Perspektive darunter versteht.
Freiheit im Sinne der Heiligen Schrift als „Freiheit der Kinder Gottes“ verstanden, entstehe nämlich da, wo Menschen dazu bereit sind, sich aus Liebe einander und Gott hinzugeben. „Gott bürgt für diese Freiheit, die sein Geschenk an uns ist. Christen sind nicht trotz, sondern wegen ihres Glaubens frei“, betonte der Weihbischof. Dies sei auch der Grund, warum Christen in aller Welt sich an diesem Tag gemeinsam versammeln.
Jesus Christus habe es um unserer Freiheit willen zugelassen, dass man sie ihm äußerlich nahm. Ob Verrat, Festnahme, Prozess bis hin zu Folter, Verspottung und Tod am Kreuz: „Was auf den ersten Blick ein Sieg des Unrechts, ein Triumph des Bösen und eine Niederlage der menschlichen Freiheit ist, erweist sich in Wirklichkeit als das genaue Gegenteil: Für den, der glaubt, ist es der entscheidende Befreiungsschlag der Liebe Gottes, der Durchbruch unserer Erlösung“, unterstrich Weihbischof Wörner die Glaubensüberzeugung, dass der Kreuzestod Jesu die wahre Freiheit überhaupt erst möglich machte.
Diese zeige sich bis in die Gegenwart für ihn nicht in der Form, alles tun und lassen zu können, was einem gerade einfällt, sondern vielmehr darin, Abstand nehmen zu können von dem, was schadet, abhängig und süchtig macht und damit einschränkt, wie es etwa bei übermäßigem Konsum, medialer Ablenkung oder Suchtverhalten der Fall sein kann. Unter Freiheiten, die das Evangelium nahelegt, zählte der Weihbischof beispielhaft auf: selbstlos zu handeln, hingebungsvoll zu lieben, anderen Menschen helfen, glücklich zu sein, Schuld zuzugeben und um Vergebung zu bitten, dem Glauben auf die Spur zu kommen und mutig dafür einzustehen sowie Gottes Wille zu hören, ernst zu nehmen und zu befolgen.
Jesus habe diesen Freiheiten Gesicht und Namen gegeben, diese bis zu seinem Kreuzestod vorgelebt und genau dadurch die Menschheit aus Sünde und Tod befreit. Weihbischof Wörner ermutigte daher die Gläubigen: „Wer sich von ihm berühren und ergreifen lässt, kann loslassen von dem, was einen bislang fest im Griff hatte; er muss nicht mehr klammern. Er ist befreit zur Liebe. Das ist Erlösung.“
Musikalisch gestaltet wurde die Karfreitagsliturgie vom Kammerchor der Augsburger Domsingknaben unter der Leitung von Domkapellmeister Stefan Steinemann sowie dem Domchor, der von Diakon Andreas Martin dirigiert wurde. Die Leidensgeschichte nach dem Evangelisten Johannes von Matthias Degerr wurde vorgetragen im Zusammenklang von Solisten und Domchor. Zudem sangen die Domsingknaben verschiedene Passionsmotetten, unter anderem von Claudio Monteverdi, Giovanni Pierluigi da Palestrina und Thomas Tallis.
Nach der gesungenen Passion, den Großen Fürbitten, der Erhebung und Verehrung des Kreuzes sowie der Kommunionspendung zog Bischof Bertram mit der verschleierten Monstranz in seinen Händen zum Heiligen Grab, das traditionell in der Marienkapelle aufgebaut war und die Osterwoche hindurch zu besichtigen ist. Dort betete der Bischof gemeinsam mit den Weihbischöfen, dem Domkapitel, Priestern und Diakonen sowie den Rittern vom Heiligen Grab zu Jerusalem vor dem ausgesetzten Allerheiligsten.
Die Feier vom Leiden und Sterben Jesu aus dem Augsburger Dom wurde live im Regionalfernsehen auf a.tv und allgäu.tv übertragen. Auch die Osternacht am Karsamstag, 4. April, wird um 21.30 Uhr von diesen beiden Fernsehsendern sowie als Livestream bei katholisch1.tv und auf der Bistumsseite zu sehen sein.
