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Diözesanmuseum St. Afra

Eine kurze Geschichte von Schuld und Unschuld

16.04.2026

Im dritten Teil der Ausstellungsreihe „Farbe bekennen“ stellt das Diözesanmuseum St. Afra aktuell die Farbe Weiß in den Mittelpunkt – doch ist weiß überhaupt eine eigene Farbe, oder nicht vielmehr die Summe aller Farben, die zudem in der menschlichen Kulturgeschichte seit jeher eine entscheidende Rolle einnahm? Diese und weitere Fragen haben sich fünf Künstlerinnen und Künstler im Dialog mit den Exponaten des Museums angenähert.

Unter dem Titel „Eine weiße Weste haben?“ greift die vom 17. April bis 28. Juni währende Ausstellung dabei eine Redewendung auf, die bis heute geläufig ist: Eine weiße Weste zu haben heißt, untadelig und schuldlos zu sein. Dabei ist Weiß freilich auch stets ambivalent und kann sowohl für Reinheit und Unschuld stehen wie auch für Leere, Kälte und das forcierte Ausblenden von Schatten.

Diesem Spannungsbogen haben sich für das Museum Dr. Veronika Jung und Dr. Thomas Kieslinger als Kuratorenduo derart gestellt, dass sie die Tore des Museumsdepots öffneten und fünf Kunstschaffenden die Möglichkeit gaben, gezielt Stücke daraus für die Sonderausstellung auszuwählen und mit diesen dann über die eigene Kunst in einen Gegen-, Neben- und Miteinander zu treten. Zu sehen sind dabei Arbeiten des Künstlers David M. Oswald (Modena), der Architektin Elisabeth Merhazion (München), der Holzbildhaumeisterin Elisabeth Gumpp (Augsburg) und der Schauspielerinnen Daniela Nering und Helga Schuster (Augsburg), die in ganz unterschiedlicher Weise mit den Museumsstücken in einen Dialog treten, der zugleich befragen, irritieren, vertiefen und neue Perspektiven eröffnen soll.

Ausstellungskurator Dr. Thomas Kieslinger vor den Kranichen der Maria Stern-Akademie.

Ausstellungskurator Dr. Thomas Kieslinger vor den Kranichen der Maria Stern-Akademie.

Konkret handelt es sich dabei etwa um ein Vanitas-Stillleben, das der Bistumspatronin Afra gegenübergestellt ist; um an weißen Tüchern aufgehängte Werke alter Meister, die mit modernen Stücken religiös aufgeladener Kunst in einen Dialog treten; oder auch der offen bleibenden und an die Besucherinnen und Besucher gestellte Frage, was sie in eine Schatzkiste hineinpacken würden.  Dazu kommen zwei extra für die Ausstellung geschaffene Werke von Schülerinnen und Schülern der Städtischen Berufsoberschule Augsburg und der Fachakademie für Sozialpädagogik Maria Stern des Schulwerks der Diözese Augsburg.

Während die Papierkraniche aus Maria Stern eine alte japanische Gebetstradition aufgreifen und zur aktiven Beteiligung am Kunstwerk einladen, verweisen die Kunstschaffenden der Berufsschule mit ihrem Holzkreuz darauf, dass Golgotha als Todesort Jesu uns näher ist, als man oft denkt. In Anlehnung an die Via Dolorosa in Jerusalem wurde das Kreuz zudem vor Ausstellungsbeginn auch durch die Straßen Augsburgs hin zum Museum in Prozession getragen.

Als weiteren besonderen Teil ist auch ein Exponat aus der Wanderausstellung "Betroffene zeigen Gesicht" gezeigt, in der Fotos und Texte von Menschen gezeigt werden, die im kirchlichen Umfeld sexuellen Missbrauch erfahren mussten. Die Frage nach Schuld und Unschuld wird dabei auch in einem für die katholische Kirche besonders schmerzhaften und beschämenden Kontext gestellt.

Am Montag vor der Ausstellungseröffnung segnete Bischof Bertram bereits das Kreuz der Berufsoberschule (Foto: Leander Stork / pba)

Am Montag vor der Ausstellungseröffnung segnete Bischof Bertram bereits das Kreuz der Berufsoberschule (Foto: Leander Stork / pba)

Die aktuelle Sonderausstellung ist ab Freitag, 17. April für die Öffentlichkeit zugänglich und wird bis zum Sonntag, 28. Juni zu besichtigen sein. Im Rahmenprogramm gibt es dabei unter anderem eine Kuratorenführung mit Impro-Theater (18. April), einen Workshop „Plastizität erleben“ mit der Künstlerin Elisabeth Gumpp (9. Mai), einen Workshop für Kinder zur Farbe Weiß (29. Mai) und Kunstgespräche mit den an der Ausstellung beteiligten Kunstschaffenden Elisabeth Merhazion (26. April) und David M. Oswald (27. Juni).

Unter dem Titel „Wo ist der rote Faden?“ wird in der vierten und letzten Schau vom 17. Juli bis 20. September 2026 die Ausstellungsreihe „Farbe bekennen“ schließlich mit der Farbe Rot abgeschlossen.

 

 

Öffnungszeiten

Dienstag – Samstag: 10-17 Uhr
Sonntag und Feiertage: 12-18 Uhr

Kontakt
Diözesanmuseum St. Afra
Kornhausgasse 3
86152 Augsburg
Telefon: 0821 3166-8833
E-Mail: museum.st.afra@bistum-augsburg.de

Alle Informationen rund um die Sonderausstellung gibt es auf den Seiten des Diözesanmuseums unter www.museum-st-afra.de.