Kirche mitgestalten, in die Gesellschaft hineinwirken
Generationengerechtigkeit, die Sorge um Notleidende, ein Europa mit menschlichem Antlitz: Die Agenda, die sich der Diözesanrat für seine Frühjahrsvollversammlung an diesem Wochenende gegeben hat, greift existenzielle Themen auf. An diesem Freitagnachmittag, dem Auftakt zur Vollversammlung, standen neben dem Eröffnungsgottesdienst mit Bischof Bertram Impulse aus der und für die Diözese sowie der traditionelle Bericht der Diözesanratsvorsitzenden im Mittelpunkt.
Mit einem Resümee zur Pfarrgemeinderatswahl, die am vergangenen Wochenende bayern- und bistumsweit stattfand, und dem Ausblick auf die bevorstehende Kommunalwahl begann die Vorsitzende Hildegard Schütz ihren Bericht zur Arbeit des Laiengremiums. „Für mich zeigen diese beiden Wahltermine in besonderer Weise, wofür wir als Diözesanrat stehen: dafür, in unseren Pfarrgemeinden Verantwortung zu übernehmen, Kirche mitzugestalten und zugleich in die Gesellschaft hineinzuwirken“, sagte sie vor der Vollversammlung. Ihre Bilanz nur wenige Tage nach der PGR-Wahl fiel positiv aus: Die Kandidatinnen und Kandidaten seien mit einer höheren Wahlbeteiligung als noch vor vier Jahren für das Wirken in ihren Pfarrgemeinden legitimiert worden, auch die Zahl der Gewählten sei sogar leicht gestiegen, so Schütz. Den neugewählten Pfarrgemeinderatsmitgliedern gratulierte sie zur Wahl: „Danke für Ihre Bereitschaft und Ihr großes Herz für Ihre Kirche und Ihre Pfarrgemeinde!“
Für die Diözesanratsvorsitzende bedeute das Ergebnis „Wertschätzung und Auftrag zugleich“, dass das Leben in den Pfarreien auch in der kommenden Amtszeit hoch motiviert mitgestaltet und die Themen Ehrenamtsförderung und -gewinnung auch in Zukunft wachgehalten werden. Denn, so Schütz: „Bürgerschaftliches Engagement bleibt eine tragende Säule unseres Gemeinwesens.“ Eine Aussage, die sie auf Kommune und Kirche geweitet sehen möchte. Speziell im diözesanen Prozess „Priorisieren, Finanzieren und Profilieren“ habe sich der Vorstand des Diözesanrats nachdrücklich dafür eingesetzt, die Bedeutung von Ehrenamtlichen deutlicher sichtbar zu machen. „Ehrenamt darf nicht nur mitgedacht werden, sondern muss ausdrücklich benannt und strukturell verankert werden.“
Weitere Schlaglichter aus dem Bericht der Vorsitzenden waren unter anderem die Arbeit des neu eingesetzten Synodalen Teams, die bessere Einbindung und Vernetzung der Dekanatsratsvertreter im Diözesanrat und der Hinweis auf ein neues Positionspapier „Für einen inklusiven Arbeitsmarkt“ - sowie die Vorausschau auf den Europatag in Augsburg (9. Mai) und den Katholikentag in Würzburg (13. bis 17. Mai), wo beide Male Diözesanratsmitglieder an den Standauftritten Präsenz in der Öffentlichkeit zeigen.
Bereits vor dem Bericht der Diözesanratsvorsitzenden lud Bischof Bertram die Delegierten gedanklich auf eine Reise ein, bei der er an vier Stationen Halt machte: der Bischof nahm sie im authentischen Erzählton mit in Syriens Hauptstadt, in Baden-Württembergs Landeshauptstadt, in die unterfränkische Mainmetropole, bevor er in heimische Gefilde zurückkehrte. Es waren eben diese Orte, die die vergangenen Wochen des Vorsitzenden der DBK-Kommission Weltkirche und Bischofs von Augsburg emotional und eindrücklich prägten.
Erster Halt Damaskus. Unverblümt schilderte er die Impressionen von seinem Aufenthalt in dem von einem langen Bürgerkrieg und einem Machtwechsel geprägten Syrien. Neben einem großen Misstrauen im Volk gegenüber den neuen Machtverhältnissen und trotz der Schwierigkeiten bei der Ökumene unter den christlichen Konfessionen sei er beeindruckt gewesen von der Treue und Beharrlichkeit der christlichen Minderheit im Land, so der Bischof. Zweiter Halt Stuttgart. Von der Synodalversammlung brachte Bischof Bertram speziell eine Erfahrung mit. Interessant sei vor allem das Atmosphärische gewesen. Vom zuletzt gewachsenen Vertrauen durch die gemeinsame Arbeit im synodalen Ausschuss sei plötzlich nichts mehr zu spüren gewesen. Und er machte eines deutlich: „Synodalität im katholischen Sinn ist nicht Kirchenparlamentarismus.“
Dritter Halt Würzburg: Auf der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe wurde ein neuer Vorsitzender gewählt. Laut Bischof Bertram sei der Neue, Dr. Heiner Wilmer, als Bischof und Ordenspriester ein „echter Brückenbauer mit Rom-Erfahrung“. Aber auch die neu veröffentlichte Arbeitshilfe zu den christlich-muslimischen Beziehungen, die er gemeinsam mit Experten vorstellte, legte er den Diözesanratsmitgliedern zur Lektüre ans Herz. Vierter und letzter Halt Augsburg: Neben PGR-Wahl und der Wahl des Priesterrats, die das demokratische Element von Kirche im Bistum zuletzt bestimmten, sprach der Bischof auch von dem von ihm im vergangenen Jahr eingesetzten Synodalen Team, mit dem er inspirieren und das Thema „Synodalität“ weg von der hauptamtlichen Kirche in die Fläche bringen möchte. Dabei seien alle aufgerufen, jede und jeder an seinem Ort, hierfür zu sensibilisieren.
Mit viel Feingefühl, aber auch Klarheit in der Sache, trat an diesem Nachmittag auch Finanzdirektor Dr. Dominikus Kleindienst vor das Gremium und stellte in Zeiten knapper werdender finanzieller Ressourcen unter dem Arbeitstitel „Budgetierung“ die Überlegungen zu einem Paradigmenwechsel bei der Finanzierung der Pfarreien vor. Ziel sei es beim ordentlichen Haushalt der Kirchenstiftungen wegzukommen von der praktizierten Zuschussorientierung hin zu einer Budgetzuweisung, die nach einem noch festzulegenden Schlüssel erfolgen werde. Dem Finanzdirektor war es deshalb wichtig zu betonen, dass der nun eingeleitete Prozess nicht zu kompliziert werden dürfe und die Kirchenstiftungen dabei nicht allein gelassen werden sollen, sondern Unterstützung finden bei zielgerichteten Schulungen und durch IT-Tools.
Am zweiten Tag der Frühjahrsvollversammlung, die heuer unter der Überschrift „Das Morgen im Heute verantworten – christlich handeln und generationengerecht denken“ steht, werden sich die Mitglieder des Diözesanrats an diesem Samstag nach der Eucharistiefeier mit Generalvikar Dr. Wolfgang Hacker intensiver mit der Frage beschäftigen, wie Generationengerechtigkeit in Zukunft gelingen kann. Dazu gibt Prof. Dr. Gerhard Kruip (Uni Mainz) Impulse mit Blick auf die Herausforderungen von demografischem und klimatischem Wandel, ehe Dr. Paulina Hauser vom Deutschen Caritasverband die diesjährige Kampagne „Zusammen geht was“ vorstellt. Eine Einführung in die kommende Renovabis-Pfingstaktion durch den Geschäftsführer des Osteuropa-Hilfswerks, Dr. Markus Ingenlath, rundet die Versammlung ab.