Palmsonntag: Ohne Kreuz keine Auferstehung
Mit einem feierlichen Pontifikalamt am Palmsonntag haben im Augsburger Dom die Feierlichkeiten zur Karwoche begonnen. Bischof Dr. Bertram Meier segnete zu Beginn im alten Westchor des Domes die Palmzweige, in Form einer feierlichen Prozession durch das Mittelschiff erinnerten die Gläubigen dann an den Einzug Jesu in Jerusalem. Der Augsburger Bischof griff in seiner Ansprache die Kreuzesnachfolge des seligen Paters Rupert Mayer auf und bezeichnete das Leben eines Christen als ein Leben voll Spannung.
In seiner Predigt ging Bischof Dr. Bertram Meier vor allem auf den Sinn der Karwoche ein. „Was in dieser Woche geschieht, ist der tiefste Inhalt unseres Lebens. Den Sinn unseres Daseins finden wir weder in Florida noch auf Mallorca, sondern darin, als Jünger Christi in seine Fußstapfen zu treten“, so der Bischof. Christen müssten dabei aber auch Spannung aushalten, zwischen „Bangen und Hoffen, zwischen Angst und Freude, zwischen Tod und Leben“. Dazu gehöre auch das Kreuz, denn ohne Karfreitag gebe es kein Ostern, ohne Kreuz keine Auferstehung.
Als Beispiel eines bekannten Kreuzesnachfolgers ging Bischof Bertram auf den seligen Pater Rupert Mayer ein. Der Münchner Jesuit gilt als Widerstandskämpfer im Dritten Reich und musste die damit einhergehenden Konsequenzen am eigenen Leib erleben. Sein Leben, so der Bischof, sei ein jahrelanger Kreuzweg gewesen. Umso beeindruckender sei ein Satz, den er einst aufgeschrieben hat: „Am Kreuz kommt niemand vorbei, sei es nun groß oder klein, und die es nicht tragen wollen, sind unglückliche Menschen.“ Das drückendste Kreuz sei für ihn die Internierung in Ettal gewesen, wo er nicht mehr für den Glauben habe kämpfen können. Bischof Bertram: „Pater Rupert Mayer hat das Kreuz getragen. Er hat es weder verdrängt noch evakuiert. Aber das Kreuz hat auch ich getragen – durch die Dunkelheit hindurch, in das Licht des Ostermorgens.“ Die Gläubigen im Dom lud er daher ganz bewusst dazu ein, auch heutzutage dem kreuztragenden Herrn zu folgen, „in dieser Heiligen Woche, in unserem täglichen Leben“.
Die musikalische Gestaltung oblag dem Karl-Kraft-Chor der Augsburger Domsingknaben sowie den Aspiranten. Begleitet wurden sie durch das Bläserensemble der Dommusik.
Hintergrund:
Mit dem Palmsonntag beginnt die Heilige Woche, in der Christen des Leidens, Sterbens und Auferstehens Jesu gedenken. Zu Beginn werden traditionell Palmzweige gesegnet, bei gutem Wetter ziehen im Anschluss Klerus und Gemeinde durch den Fronhof in den Dom und gedenken so des feierlichen Einzugs Jesu in Jerusalem. Das zugehörige Evangelium wird im Rahmen der Statio vor dem Domportal verkündet. Heuer war dies aufgrund von Kälte und Schneeregen nicht möglich, weshalb die Palmsegnung in den Westchor des Domes verlegt wurde. In der anschließenden Messfeier erfolgt dann ein Stimmungsumschwung, Lesungen und Passion (im Lesejahr A dem Matthäusevangelium entnommen) verweisen schon auf das Leiden am Karfreitag. Die Palmsonntagskollekte ist traditionell für die Christen im Heiligen Land bestimmt.