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Aus den Pfarreien

„Vergesst die Menschen am Rande nicht!“

21.03.2026

Knapp zwei Jahre nach dem verheerenden Hochwasser in Süddeutschland ist die Erinnerung an die Zerstörung noch immer präsent. Umso bedeutender war folgender Anlass in Schrobenhausen: Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde an diesem Samstag die generalsanierte Pfarrkirche St. Jakobus major wiedereröffnet. Unter dem Leitwort „Vergesst die Menschen am Rande nicht!“ verband Bischof Bertram Meier die Erinnerung an das Hochwasser von 2024 mit der klaren Botschaft christlicher Nächstenliebe. 

Zu Beginn seiner Predigt erinnerte Bischof Bertram an die dramatischen Ereignisse der Flutkatastrophe: „Rette mich, Gott, denn das Wasser geht mir bis an die Kehle!“ – mit diesem Psalmwort beschrieb er die Not vieler Betroffener. Die Bilder von „zerstörten Häusern, Verlust von Eigentum, verzweifelten Menschen und sogar Todesopfern“ seien ihm bis heute präsent. Das war auch der Grund der Generalsanierung.

Gleichzeitig würdigte der Augsburger Bischof die große Solidarität in der Region. Die Renovierung der Kirche sei ein sichtbares Zeichen des Wiederaufbaus. „Die Solidarität, die ich nach dem Hochwasser erlebt habe, hat mich tief bewegt“, betonte er und dankte allen Helferinnen und Helfern ausdrücklich.

Ein Gott, der mitfühlt

Im ersten Teil seiner Predigt stellte Bischof Bertram die Frage nach Gottes Nähe im Leid. Anhand biblischer Texte machte er deutlich, dass Gott das menschliche Leid sehe und begleite. Besonders bewegend sei für ihn die Szene aus dem Johannesevangelium, in der es heißt: „Jesus weint!“ – ein Zeichen dafür, dass Gott nicht fern, sondern voller Mitgefühl sei. Diese Botschaft solle Menschen in Krisen Hoffnung geben: „Gott ist da, wenn wir in Not sind. Er weiß um unsere Sorgen und will uns helfen.“

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Verantwortung des Menschen

Zugleich warnte der Bischof davor, die Lösung aller Probleme allein Gott zu überlassen. Vielmehr seien die Menschen selbst gefragt, aktiv zu helfen. Mit Blick auf die biblische Erzählung von der Auferweckung des Lazarus erklärte er: „Jesus ist der Retter – aber er will, dass wir seinem Beispiel folgen und füreinander da sind.“

Besonders hob er den Einsatz von Rettungskräften, Hilfsorganisationen und freiwilligen Helfern während der Hochwasser-Krise hervor und dankte ihnen mit den Worten: „Vergelt’s Gott!“

Appell für die Zukunft

Im Zentrum der Predigt stand schließlich ein eindringlicher Aufruf, auch nach überstandenen Krisen aufmerksam zu bleiben. Bertram Meier erinnerte daran, dass es viele Menschen gebe, denen es auch ohne Katastrophen schlecht gehe: „Es gibt viele Arten, in den Strudeln des Lebens unterzugehen.“

Mit Bezug auf Papst Franziskus sprach er von den „Menschen am Rande“, die besondere Aufmerksamkeit bräuchten. Sein Appell an die Gläubigen: „Darum bitte ich Sie, einen wachen Blick zu haben und jene Schwestern und Brüder nicht zu übersehen!“

Kirche, so der Bischof abschließend, zeige sich nicht nur im Gebäude, sondern in der liebevollen Zuwendung der Gläubigen untereinander und gegenüber unseren Mitmenschen nach dem Motto: „Das Reich Gottes wird dort erfahrbar, wo Menschen einander stützen und trösten.“ Er schloss mit den Worten: "Fragen wir uns also, wo wir in unserem persönlichen Umfeld anderen Gutes tun können! Das, so meine ich, wäre in dieser österlichen Bußzeit eine wunderbare Weise, dem Umkehrruf Gottes zu folgen!"

Lesen Sie hier die Predigt im Wortlaut: 

Die Generalsanierung

Die Stadtpfarrkirche St. Jakobus in Schrobenhausen musste nach den schweren Schäden durch das Hochwasser im Juni 2024 umfassend generalsaniert werden und blieb dafür rund eineinhalb Jahre geschlossen. Die eigentlichen Bauarbeiten dauerten etwa ein Jahr und umfassten neben der Schadensbehebung auch eine vollständige Erneuerung der Elektrik sowie moderne LED-Beleuchtung und energetische Verbesserungen. Insgesamt kostete die Maßnahme über eine Million Euro und wurde maßgeblich von der Diözese Augsburg getragen.