Diözesane Eröffnung der Misereor-Fastenaktion in St. Ottilien
Augsburg (pba). Es war lebendig, es war bunt, es war ein fröhliches Glaubensfest an diesem Sonntag auf dem Klosterareal in Sankt Ottilien. Bei einem Festgottesdienst mit Bischof Dr. Bertram Meier und Erzabt Wolfgang Öxler OSB, einem Solidaritätsessen und weltkirchlichen Rahmenprogramm wurde an diesem zweiten Fastensonntag die diözesane Misereor-Fastenaktion im Bistum Augsburg eröffnet. Die Federführung übernahmen die Katholische Landvolkbewegung zusammen mit den diözesanen Verbänden, der Abteilung Weltkirche und der Erzabtei.
Mit dem diesjährigen Leitwort „Hier fängt Zukunft an“ richtet das Hilfswerk Misereor heuer seinen Blick auf das global wachsende Problem der Jugendarbeitslosigkeit. Beispielhaft soll dies am Land Kamerun sichtbar werden. Diese Thematik griff auch Bischof Bertram in seiner Predigt in der Klosterkirche auf. Anhand der Tageslesungen machte er den Gläubigen mit drei Gedanken Mut, sich in ihrem Leben von Gott leiten zu lassen und dadurch einen guten Weg in die Zukunft finden zu können.
Um dieses Ziel erreichen zu können, komme es als Erstes darauf an, „mit Gott zu gehen“, wie es an der Geschichte Abrahams beispielhaft deutlich werde. „Ohne Kenntnis, wie die Zukunft für ihn und seine Familie in einem fremden Land aussehen würde, hörte er auf seine innere Stimme und vertraute dem Heilswillen Gottes“, betonte Bischof Bertram und übersetzte die Geschichte als konkrete Handlungsempfehlung in die heutige Gegenwart. „Je größer die Ungewissheiten und Ängste hinsichtlich der Zukunft sind, desto wichtiger ist es, in sich zu gehen und im Gebet die Nähe Gottes zu suchen, der uns - wie damals Abraham - mit seinem Heiligen Geist begleiten möchte.“ Gerade in einer Zeit, die viele als zunehmend schnelllebig und bedrohlich empfänden, bräuchten wir den Beistand des Herrn.
Abraham, der ruhig bleibe und auf die Stimme Gottes höre, sei geradezu „ein leuchtendes Gegenbeispiel zu den Autokraten der Welt, die vollkommen Ich-bezogen immer nur den eigenen Willen als letzten Maßstab ansehen und kompromisslos durchsetzen wollen, oftmals auf Kosten anderer“, sagte Bischof Bertram.
Angesichts der Vielzahl weltweiter Ungerechtigkeiten und existentieller Nöte rief er die Gläubigen in einem zweiten Gedanken dazu auf, mit Gott zu leiden. Wie sich im Wort „Misereor“ das ganze Wesen Gottes spiegele, nämlich Mitleid zu haben mit den Menschen, sei dies auch als Appell an uns zu lesen, an seinem Reich des Friedens und der Gerechtigkeit mitzubauen. „Als Bischof von Augsburg, der auch in der Deutschen Bischofskonferenz für den Bereich Weltkirche zuständig ist, bitte ich Sie daher, die Fastenaktion von Misereor zu unterstützen, großherzig zu spenden und für die Glaubensgeschwister in Kamerun zu beten.“
Mit einem mutmachenden Impuls für die Fastenzeit richtete sich Bischof Bertram abschließend an die Gläubigen und ermunterte sie mit Gott gemeinsam zu leuchten: „Lasst uns gemeinsam innerlich aufstehen, Verzagtheit und Pessimismus ablegen, und trotz aller Herausforderungen mutig in die Zukunft gehen - im Vertrauen darauf, dass Jesus mit uns geht!“ Wenn jeder seinen Beitrag leiste, könne eine bessere Zukunft für die Menschen beginnen, in Kamerun, aber auch für uns selbst.
Der Gottesdienst, der die Kirche bis zur letzten Bank füllte, wurde auch von zahlreichen Kindern mitgefeiert. Nach der gemeinsamen Eröffnung durften sie in einem eigenen Kindergottesdienst kindgerecht den Botschaften der Lesungen und des Evangeliums nachspüren, bevor sie zum Friedensgruß wieder an den Altar zurückkehrten.
Viel Wissenswertes rund um das afrikanische Land und das Thema „Eine Welt“ konnten die Besucherinnen und Besucher schließlich nach einem gemeinsamen Solidaritätsessen an den Ständen der diözesanen Verbände und verschiedener Aktionsgruppen erfahren. Sowohl informativ als auch spielerisch gab es vielfältige Einblicke: Das Landvolk erklärte zum Beispiel wie man Kräutersalz herstellt, die Katholische Arbeitnehmerbewegung gab mittels eines Figurentheaters Einblicke zu einem „Spargruppen-Programm“ in Tansania und das Kolpingwerk zeigte beim Nähen von Zirbensäckchen wie handwerkliche Fähigkeiten berufliche Perspektiven eröffnen können. Auch das klassische Solibrot von Frauenbund und Landvolk wurde an die Gäste verteilt, Kinder durften ihr eigenes Brot ausrollen und backen.
Das Thema der Misereor-Fastenaktion
Vom wachsenden Problem der Jugendarbeitslosigkeit, die in Kamerun mit einem gravierenden Mangel an Jobs und Ausbildungsplätzen, besonders drängend ist, konnten die Besucherinnen und Besucher von Misereor-Gast, Pauline Maïday, aus nächster Nähe erfahren. Die junge Frau aus der kamerunischen Großstadt Douala war früher selbst von dieser ausweglosen Situation betroffen und berichtete bei einem Couch-Gespräch mit Anton Stegmair, Leiter der Abteilung Weltkirche im Bistum Augsburg, wie sie von der wertvollen Arbeit der Misereor-Partnerorganisation CODAS-Caritas in Douala profitieren konnte. Obwohl sie studierte Juristin war konnte sie keine Arbeit finden und begann deshalb selbsthergestellte Taschen zu verkaufen. Durch die Unterstützung der Caritas ist sie heute mit eigener Boutique als engagierte Unternehmerin in der Modebranche tätig. Die Organisation hilft jungen Menschen dabei, eine Ausbildung zu finden und zu finanzieren.
Das Land Kamerun
Kamerun liegt in Zentralafrika, hat rund 28 Millionen Einwohner und umfasst verschiedene Klimazonen: von tropisch feucht im Süden bis zum Savannenklima im Norden. Die Hauptstadt Yaoundé ist die zweitgrößte Stadt, während Douala mit fast fünf Millionen Einwohnern als wirtschaftliches Zentrum und größte Stadt des Landes gilt. Neben den Amtssprachen Englisch und Französisch, werden in Kamerun über 230 Sprachen gesprochen.