Menü
Aschermittwoch der Künstler

„Wie ein Stachel im Fleisch“

18.02.2026

Augsburg (pba). Zu Beginn der österlichen Bußzeit hat Bischof Dr. Bertram Meier die Botschaft des Aschermittwochs als immer wiederkehrende Provokation beschrieben. Das „Gedenke, o Mensch, dass Du Staub bist“ sei kränkend und schmerzhaft mit heilsamer Wirkung, weil es uns mit unserer Vergänglichkeit, der Notwendigkeit des Innehaltens und der Überprüfung des eigenen Lebensweges konfrontiere, fasste der Bischof an diesem Tag im Dom den Kern dieses Festes zusammen. Bei der anschließenden Begegnung für die Künstlerinnen und Künstler gewährte Dr. Celia Mendoza besondere „Einblicke“ in das von ihr für den Dom geschaffene Ulrichsfenster.

Den geladenen Kunstschaffenden wies Bischof Bertram bereits während des feierlichen Gottesdienstes beim Vermitteln und Verbreiten der Aschermittwochsbotschaft eine ganz eigene Rolle zu: „Sie, liebe Kunstschaffende, gehören seit Jahrtausenden zu jenen Menschen, die Seh- und Hörgewohnheiten bewusst unterlaufen, die Mächtige nicht schwei­gend gewähren lassen, sondern ihnen den Spiegel vorhalten, die dem, was Menschsein und In-der-Welt-Sein ausmacht, auf den Grund gehen und dabei seismografisch Veränderungen, ja sogar Revolutionen vorwegnehmen.“

Kunst habe seit jeher die Aufgabe, eherne Gesetze nicht nur abzubilden, sondern auch zu hinterfragen. „Sie ist wie ein Stachel im Fleisch und will ähnlich der Stimme des Gewissens zum Nachdenken, zur Selbst- und Fremdreflexion anregen“, sprach der Bischof davon, dass es unerlässlich sei, dass wir als einzelne, als Familie, als Kirche und Gesellschaft uns regelmäßig Rechenschaft geben über die Motivation für unser Tun und Lassen. „Wem alles durchgeht und wer von einer applausumtosten Bühne zur nächsten schreitet, der verliert schnell die Bodenhaftung: Je höher er steigt, desto begrenzter wird sein Horizont und umso gefährlicher wird er für seine Mitmenschen“, warnte er vor genügend Negativbeispielen.

Daher sprach Bischof Bertram den Gottesdienstbesuchern für die kommenden Wochen Mut zu: „Nehmen wir in dieser kommenden Fastenzeit wieder ernst, was uns als Geschöpfe, die auf soziales Miteinander hin geschaffen wurden und nur im sozialen Kontakt seelisch und geistig gesund bleiben können, mit den Worten des heiligen Paulus angeboten ist: „Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!“ Ein Vers, der über dem Hauptaltarbild der in weiten Teilen von dem berühmten Baumeister Dominikus Zimmermann ausgestatteten Schlosskirche Pöring steht, und für den Bischof auch in der heutigen Zeit nichts an Aktualität verloren habe.

Exemplarisch für das reiche künstlerische Schaffen auf dem Gebiet des Bistums stand an diesem Tag das neue Ulrichfenster auf der Südseite des Hohen Domes. Im Anschluss an den Gottesdienst im einen Steinwurf entfernten Kolpinghaus gab es beim traditionellen Aschermittwoch der Künstler neben Begegnung und Austausch interessante Einblicke durch Dr. Celia Mendoza in das von ihr gestaltete Fenster. Dabei ging sie, nachdem Hauptabteilungsleiterin Prof. Dr. Gerda Riedl die rund 100 geladenen Gäste begrüßt hatte, nicht nur auf die abstrakte Symbolsprache ihres aus einem Künstlerinnenwettbewerb als Sieger hervorgegangenen Entwurfs ein.

Sie erklärte und deutete die Entwicklung der Ornamentstrukturen und beschrieb die gemeinsame Umsetzung in Zusammenarbeit mit der Taunussteiner Werkstatt Derix – von der Glasauswahl über die Bearbeitung der Entwurfsvorlage, der Erstellung von Schablonen für den Glaszuschnitt bis hin zur Spritzung der Farbverläufe und dem Auflaminieren der Echtantikgläser. Eines wurde mit ihren Worten gesprochen jedenfalls mehr als deutlich: „Die Arbeiten am Fenster waren mit viel Detailarbeit verbunden.“

Die Aschermittwochsliturgie, die live von den regionalen Fernsehsendern augsburg.tv und allgäu.tv übertragen sowie im Internet auf katholisch1.tv und den Bistumskanälen gestreamt wurde, gestalteten Peter Bader an der Orgel und Raphael Sirch am Fagott durch ausgewählte Werke zur Fastenzeit musikalisch mit.

  

Künstlerin und Werk

Die gebürtige Fürstenfeldbruckerin Dr. Celia Mendoza arbeitet seit 2006 als freiberufliche Künstlerin. Zuvor absolvierte sie ab dem Jahr 2000 ein Kunststudium (Diplom) an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Jerry Zeniuk, daneben arbeitete sie in der Studienwerkstatt für Glas bei Thierry Boissel ebenfalls an der Akademie. Dem voraus ging mit dem Magister-Studium der Politologie, Philosophie, Ethnologie und Romanistik (1985 bis 1992) eine erste akademische Karriere, die sie zunächst zur Promotion (Dr. phil.) und Tätigkeit als Lehrbeauftragte an der Ludwig-Maximilians-Universität und dann zur freiberuflichen Dozentin führte. Zu den jüngeren Werken der bundesweit tätigen Künstlerin zählen Glaskunstwerke in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Pöttmes, wo sie 2023 Tympanon, Vierpass und ein Fenster gestaltet hat, und in der Krankenhauskapelle in Weilheim aus dem Jahr 2019.

Am Aschermittwoch beginnt die Kirche mit einem strengen Fast- und Abstinenztag die vierzigtägige Bußzeit zur Vorbereitung auf das höchste Fest des Christentums - die Feier vom Leiden, vom Sterben und von der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Daher ist die Mitfeier der Gläubigen und ihre Bezeichnung mit dem Aschekreuz äußeres Zeichen ihrer persönlichen Bußgesinnung. Mit dem Zeichen des Kreuzes kommt unsere Glaubensgewissheit der Auferstehung mit Christus und eines Lebens über den Tod hinaus ebenso wie die Gemeinschaft der pilgernden Kirche zum Ausdruck.